Erfahrungsbericht

25 Jul

Da man für das Erasmus-Programm ohnehin einen Erfahrungsbericht schreiben muss, veröffentliche ich den hier auch einfach mal. Ein paar Sachen habe ich schon in vorigen Artikeln erwähnt. Der Bericht ist wohl nur für diejenigen interessant, die auch ein Auslandssemester in Oslo planen. Vielleicht hilfts dem einen oder anderen ja ein bisschen 🙂

Vorbereitung

Wenn man nicht viel Geld hat, sollte man sich früh vorbereiten. Norwegen ist ein teures Land und Auslandsbafög beantragt man am besten schon ein halbes Jahr im Voraus. Den Antrag musste ich beim Studentenwerk Kiel stellen. Leider ist es recht schwierig gewesen, bei Fragen oder Problemen dort jemanden zu erreichen (egal ob telefonisch oder per E-Mail) – schon deshalb empfiehlt sich eine frühe Anmeldung. Am besten schickt man alle angeforderten Dokumente sofort einzeln ab und wartet nicht, bis man alle beisammen hat. Da man auch Unterlagen benötigt, die man erst kurz vor Beginn des Auslandssemesters von der Uni Oslo bekommt, riskiert man sonst ein oder zwei Monate ohne Bafög. Was besonders deshalb unschön ist, weil man im ersten Monat die doppelte Miete zahlen muss – nicht nur für den Januar, sondern auch gleich für Februar im Voraus.

Von einer Kommilitonin, die bereits vor mir in Oslo gewesen ist, hatte ich den Tipp bekommen, mich schon Ende August Online auf der Webseite des Studentenwerks in Oslo für die Studentenwohnheime anzumelden (www.sio.no). Ein Tipp, der im Nachhinein Gold wert gewesen ist – viele Austauschstudenten mussten mit „two in a room“ vorlieb nehmen, Privatsphäre war dann ein Fremdwort. Das ist mir durch die frühe Anmeldung erspart geblieben. Ein Problem war dabei zunächst, dass ich genau den Tag bestimmen sollte, an dem ich einziehen werde. Problem deshalb, weil zu dem Zeitpunkt noch gar nicht offiziell bekannt war, wann genau die Orientierungswoche für Austauschstudenten anfängt. Allerdings kann man das Datum auch nach der Anmeldung noch problemlos ändern, weshalb ich einfach vorläufig den 2. Januar angab und dies später auf den 7. Januar korrigierte. Darüber hinaus musste ich bis zum 31. Oktober das Application Form und das Learning Agreement fertig unterschrieben per Mail an meine Erasmus-Beauftragte in Oslo abschicken.

Leider merkte ich beim Ausfüllen des Learning Agreements, dass meine Auswahl an Kursen doch recht beschränkt war. Nur eine handvoll Kurse werden in meinem Fachbereich auf Englisch angeboten und ungefähr die Hälfte davon konnte ich nicht besuchen, weil vorbereitende Kurse oder zusätzliche Vorabsprachen mit Dozenten nötig waren. Am Ende hatte ich drei Kurse von meinem Fachbereich und einen Norwegisch-Sprachkurs aufgelistet.

Anfang November bekam ich dann den Welcome Letter und die Aufforderung, meinen Platz an der Uni Oslo bis zum 25. November per Online-Formular zu akzeptieren. Kurz darauf wurde der Letter of Admission versendet – ab da war ich offiziell für das Spring Term 2011 eingeschrieben. Ab Anfang Dezember konnte man sich auch schon auf der Online-Plattform StudentWeb für die gewünschten Kurse anmelden – ähnlich wie bei StudIP an der Uni Bremen. Ein Muss war das zwar nicht, bei einigen Kursen mit recht großem Andrang wurde aber dazu geraten.

Was die Informationssuche angeht, wendet man sich am besten direkt an seine Erasmus-Beauftragte/seinen Erasmus-Beauftragten in Oslo – hier habe ich stets schnell und umfassend Hilfe bekommen. Deren Mail-Adresse bekam ich von meiner Erasmus-Beauftragten in Bremen.

Falls nicht schon vorhanden, sollte man sich vorab unbedingt eine Kreditkarte besorgen. Zu empfehlen ist hier das kostenlose Angebot der DKB. Als Auslandskrankenversicherung habe ich mich für Mawista entschieden. Glücklicherweise blieb ich während meines Aufenthaltes gesund, einige Kommilitoninen machten jedoch gut Erfahrungen mit dem Service. Einen Reisepass hatte ich vorab besorgt, einige Kommilitonen sind aber auch mit ihrem Personalausweis gut überall durchgekommen.

Zusätzlich als Vorbereitung hatte ich auch einen Sprachkurs für Norwegisch besucht (Volkshochschule Bremen), um zumindest ein paar Grundkenntnisse vorweg zu bekommen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass der Kurs nicht wirklich nötig gewesen ist. Die Norweger können alle sehr gut Englisch sprechen und durch die Ähnlichkeit zum Deutschen kann man häufig auch ohne Vorkenntnisse der Sprache Vieles verstehen. Geschadet hat der Kurs anderseits natürlich auch nicht, besonders weil ich dadurch schon ein paar Einblicke in die Kultur bekommen habe.

Unterkunft

Es gibt eine ganze Reihe von Studentenwohnheimen in Oslo, die absolute Mehrheit der Austauschstudenten ist jedoch in Kringsjå oder Sogn – der Rest ist einfach zu teuer und/oder bietet keine vormöbilierten Zimmer an. Ich bin in Kringsjå gelandet. Leider erfährt man erst am Tag seiner Ankunft, welches Zimmer man bekommt und wie viel man dafür zahlen muss. Vorab bekommt man nur den Vertrag und die Aufforderung, eine Kaution von umgerechnet ca. 300€ in Form von Norwegischen Kronen zu überweisen. Wenn man zum ersten mal auf dem Wohnheimsgelände ankommt, muss man zunächst ins Büro vom SIO (dem Studentenwerk der Uni Oslo) und sucht sich eine der verfügbaren Wohnungen aus. Ich habe das günstigste genommen was noch zu haben war und bin in Haus Nr. 12 im 1. Stock gelandet, wo ich das Badezimmer mit einer, die Küche mit sechs anderen Personen teilen musste. Preis: Ca. 340€. Als ich frisch eingezogen bin, war ich zunächst geschockt: Das Bad war widerlich (Schimmel überall) und auch die Küche ziemlich verdreckt. Da ich zunächst noch keinen Nachbarn hatte, mit dem ich das Bad teilen musste, lag es an mir, alles sauber zu kriegen (was tatsächlich auch fast zwei Tage in Anspruch nahm). Nachdem das geschafft war und ich vom Hausmeister eine neue Klobrille und einen neuen Duschvorhang bekommen habe, war das Bad wieder ganz ansehnlich. Das Problem mit der Küche wurde im Laufe des 1. Monats zusammen mit meinen anderen Mitbewohnern gelöst. Gemeinsam veranstalteten wir einen Großputz und erstellten einen Putzplan, der glücklicherweise bis zum Ende meines Semesters auch von allen eingehalten wurde.

In den vormöbilierten Wohnungen bekommt man zwei Schränke, zwei Tische, einen Stuhl und ein Bett mit Matratze. Internet ist auch inklusive. Allerdings nicht per Wlan, weshalb ich mir ärgerlicherweise ein Internetkabel kaufen musste. Am besten besorgt man sich also noch vor der Ankunft in Oslo eines. Ich bin kurz nach dem Einzug zum Ikea gefahren, um allerlei Kleinkram für die Wohnung zu besorgen. Ikea ist in Norwegen preislich ungefähr auf dem gleichen Niveau wie in Deutschland und ist damit für norwegische Verhältnisse unschlagbar günstig. Zwar hätte ich auch viele der zurückgelassenen Sachen von ehemaligen Einwohnern in der Küche nehmen können, aber leider war das Meiste ziemlich alt und abgenutzt.

Kringsjå liegt recht weit außerhalb vom Stadtzentrum, allerdings nahe an der Uni. Leider hält nur eine Bahn (gleichnamige Haltestelle der Linie 3) direkt vor dem Wohnheim. Bis zur Uni fährt man damit ca. 6, zum Hauptbahnhof ca. 17 Minuten. Ein Semesterticket wie in Bremen gibt es leider nicht, nur einen Studentenpreis für die Monatstickets. Das Ticket hat dann umgerechnet ca. 45€ gekostet. Beantragen kann man es nur am Hauptbahnhof, was man besten möglichst früh macht, um Kosten für Einzeltickets zu sparen. Für mich war die Entfernung zum Stadtzentrum übrigens nie ein Problem. Denn warum abends in irgendwelche Diskos fahren, wenn alle Freunde gleich um die Ecke wohnen? Da fast alle Austauschstudenten in Kringsjå wohnen und man sich durch gemeinsame Kurse oder andere Veranstaltungen schnell kennenlernt, trifft man auf dem Wohnheimsgelände ständig bekannte Gesichter. Berühmt ist Kringsjå nicht zuletzt deshalb auch für „Kitchen Partys“: Anstatt mit der Bahn in Stadt zu fahren, bleiben die meisten lieber vor Ort und treffen sich bei jemanden in der Küche. Es herrscht eine schöne, gesellige Atmosphäre in Kringsjå. Ich kann definitiv empfehlen dorthin zu gehen!

Die Uni und akademisches Leben

Alle wichtigen Informationen für den Start bekommt man in der Orientierungswoche. Am ersten Tag bekam ich zunächst nur das Welcome Packet, das alle wichtigen Infos für den Start und die Nutzerdaten für die Nutzung von IT-Diensten der Uni enthielt (inklusive dem Uni-Wlan). Am besten besorgt man sich am ersten Tag auch gleich seine Semesterkarte, die man nur im Büro des Studentenwohnheims auf dem Uni Campus bekommen kann. Passfotos braucht man dafür übrigens nicht, die Bilder werden direkt vor Ort gemacht. Am zweiten Tag fand die Willkommenszeremonie und das erste Treffen mit der Buddy Group statt. Austauschstudenten vom selben Fachbereich werden dort von einigen erfahrenen Studenten in die Uni und die Stadt eingeführt. Eine tolle Gelegenheit, neue Leute aus der ganzen Welt kennenzulernen! Den Rest der Orientierungswoche (und auch den Rest meines Auslandssemesters) war ich dann mit meiner Gruppe unterwegs. Man sollte übrigens nicht den Verkauf von SIM-Karten mit norwegischer Nummer verpassen! Die Karte selbst und die Gebühren sind sehr günstig und werden nur während der Orientierungswoche an der Uni verkauft.

In Oslo bekommt man pro Kurs sehr viel mehr CP als in Bremen, zwischen 10 und 20. Offiziell gelten 30 CP als Vollzeitsemester, von mehr wird abgeraten. Bevor man sich endgültig festlegt, kann man sich zunächst auch für mehr Kurse anmelden, um in den ersten 1-2 Wochen überall reinzuschnuppern. In der ersten Woche habe ich Kurse für ca. 60 CP besucht, am Ende bin ich aber „nur“ bei einem Sprachkurs für Norwegisch (10CP) und „Trends in international Journalism“ (aus meinem Fachbereich, 20CP) geblieben. Beide Kurse fanden jeweils zweimal die Woche statt (bei beiden jeweils einmal drei und einmal zwei Stunden). Die geringe Anzahl an Kursen bedeutet nicht, dass man weniger zu tun hätte. Im Sprachkurs ging es mit hohem Tempo voran, bereits nach zwei Wochen war man schon über das hinaus, was ich mir vor Beginn des Auslandssemesters in Bremen angeeignet habe. Im Journalismus-Kurs war das Lesepensum sehr hoch, es wurden umfangreiche Vorleistungen für die Prüfung verlangt und die minimale Seitenanzahl für die Hausarbeit war unterm Strich höher als in Bremen.

Im Gegensatz zur Uni Bremen, die größtenteils aus Beton zu bestehen scheint, wirkt die Uni Oslo eher wie ein weitläufiger Park, der mit den Gebäuden der Uni gespickt ist. Als ich zum ersten Mal zur Uni fuhr, stand ich zunächst scheinbar irgendwo im Nirgendwo; von der Haltestelle (Blindern) aus war weit und breit keine Uni zu sehen. Man muss ein wenig laufen, um zum Campus zu gelangen. Die Gebäude der Uni sind alle recht neu und schick. Besonders die Bibliothek ist beeindruckend! Ein riesiges Gebäude mit Glaswänden, gegen die die Glashalle der Uni Bremen geradezu mickrig wirkt. Praktischerweise gibt es direkt in dem Bibliotheksgebäude eine Cafete und man kann anders als in Bremen auch mit Rucksack und Jacke eintreten. Das Ausleihen und Vormerken von Büchern funktioniert ganz ähnlich wie in Bremen, man muss sich beim ersten Mal nur am Infoschalter registrieren. Ich habe viel Zeit in der Bibliothek verbracht, man kann dort gut arbeiten. Ein großer Nachteil in Oslo ist allerdings das Fehlen von Semesterapperaten. Da die zu lesenden Texte für die Seminare auch nicht Online zur Verfügung gestellt werden, muss man sich die benötigten Bücher schon sehr früh in Bibliothek besorgen oder sich hinten in der Warteschlange für die Vormerkungen anstellen – was oft zu lange dauert. Viele Norweger kaufen die Bücher dann einfach, was alles andere als günstig ist. Ich habe mir nur eine handvoll absolut notwendiger Bücher gekauft und die waren teuer genug. Teuer ist auch die Mensa, ca. 5€ kostet eine Mahlzeit ohne Getränk zum Studentenpreis. Dafür war das Essen aber auch sehr gut und reichhaltig. Was Essen und Preise für Lebensmittel angeht, ist es in Norwegen allerdings günstiger, wenn man selbst kocht. Neben den beiden größeren Supermaktketten Kiwi und Rema sollte man unbedingt Grønland besuchen. Wenn man an der gleichnamigen Bahnhaltestelle aussteigt, steht man schon direkt vor einem günstigen Lebensmittelladen, in dem man fast alles an Gemüse, Nudeln usw. besorgen kann.

Nach der Rückkehr

Nach der Rückkehr kann man sehr einfach und bequem ein Transcript of Records über die Online-Plattform StudenWeb anfordern. Einfach seine Adresse in Deutschland angeben und mit einem klick das Transcipt anfordern. Bei mir war es ca. drei Tage später auch schon da. Darüber hinaus muss man dem Studentenwerk in Oslo noch IBAN und Bic seines deutschen Kontos per Mail mitteilen, damit die Kaution zurückgezahlt werden kann.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, sich nicht vom Wetter abschrecken zu lassen und nach Oslo zu gehen! Ich habe mein Auslandssemester sehr genossen und kann es wärmstens empfehlen.

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Trip nach Stavanger

2 Jun

Das Wochenende habe ich endlich mal noch etwas anderes als Oslo gesehen und war mit einigen Freunden im schönen Stavanger.

Wir sind mit einem Nachtzug hin- und zurückgefahren. Oh man, das werd ich nicht so schnell nochmal einmal machen. Schlafen kann ich in den Sitzen dort einfach nicht…ging den anderen genauso, so das wir alle völlig übermüdet um 8 Uhr morgens in Stavanger ankamen. Zeit zum Schlafen war aber nicht drin, wir waren schließlich nur für zwei Tage gekommen.

Am ersten Tag waren wir dann auf einer Schiffsfahrt durch die Fjords und haben die drei Schwerter von Stavanger besucht. Seeehr geil! Das eigentliche Highlight kam aber am Sonntag: Ein Trip auf die Spitze des Berges Preikestolen! Ich habe diese Tour gelinde gesagt etwas unterschätzt. Ich dachte man fährt mit dem Bus hin, läuft gemütlich den Berg hoch und tadaa. Nix da. Zwei bis drei Stunden läuft man, jeweils rauf und wieder runter. Und das alles andere als gemütlich! Es ging oft sehr steil bergauf und man musste klettern, befestigte Wege oder Brücken waren die Ausnahme.

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Und ähm…habe ich schon erwähnt, dass ich ein bisschen Höhenangst habe? ;-D Mehr als einmal musste man direkt am Abgrund entlanglaufen, da war mir doch etwas mulmig. Das Schlimmste kam aber kurz vor Schluss. Unmittelbar vor der Spitze muss man eine ziemlich gefährlich Stelle passieren: Man hat kaum Halt und nur einen sehr schmalen, hervorstehenden Fels, auf dem man entlangläuft. Darunter ist direkt der ca. 600 Meter tiefe Abgrund. Oh man, das war nervenaufreibend. Achja, Schuhe muss ich mir jetzt auch neue kaufen 😉 Meine stabilen Winterschuhe hatte ich schon zurück nach Deutschland gebracht, also bin ich mit meinen normalen Sommer-Straßen-Schuhen gelaufen. War nich so geil.

Ziemlich kaputt kamen wir abends wieder in unserer Bude an und hatten dann auch nicht mehr viel Zeit. Schnell geduscht, was gegessen und ab zum Zug, in dem ich dann wieder kaum schlafen konnte 😉 Hab das dann Montag zu Hause ausgiebig nachgeholt. Gelohnt hat sich der Trip alle mal. Bereue jetzt ein wenig, während meines Auslandssemester nicht noch mehr von Norwegen außerhalb von Oslo erkundet zu haben. Das muss ich unbedingt nochmal nachholen.

Leben in Kringsja 3: Es lief oft glatt…

1 Jun

Norweger müssen echt Akrobaten sein. In Deutschland wird schon gejammert, wenn ein paar Zentimeter Schnee nicht richtig weggeschippt wurde, in Norwegen läuft man die meiste Zeit des Jahres ständig durch hohen Schnee oder auf glattem Eis. Es grenzt an ein Wunder, dass ich wirklich nur ein einziges mal richtig ausgerutscht und hingefallen bin 😉 Gestreut wird hier übrigens nicht mit Salz oder Sand, sondern mit richtigen Kieselsteinen – und zwar tonnenweise. Als der Schnee im Laufe des Aprils weggeschmolzen ist, waren alle Wege in Oslo noch voll von diesen Steinen, man ist praktisch nicht direkt auf der Straße, sondern auf Kieselsteinen gelaufen (bzw. geschlittert). Die Steine wurden dann Anfang Mai von eigens dafür angefertigten ‘Putzmaschinen’ weggeräumt. Viele Kinder aus dem Kindergarten hier in Kringsja nutzten die ‘Zeit der Steine’ ‚Steinzeit‘ übrigens, um lauter Muster auf den Wegen zu kreieren:

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Teilweise gabs an der Uni eine Outdoor-Bodenbeheizung, die einige steilere Strecken komplett schnee- und eisfrei hielten – das war allerdings die Ausnahme und kam wirklich nur an ein paar zentralen Stellen vor.

Wenn man in Kringsja zur Haltestelle der Bahn läuft, muss man übrigens einen recht steilen Hügel hinauf- und später (wenn man wieder nach Hause will) hinunterlaufen. In den vergangenen Wintermonaten war es zuweilen derart glatt, dass ich abseits des Weges durch den hohen Schnee stapfen musste. Wenn man vor dem Kiwi Supermarkt stand, konnte man sehr anschaulich beobachten, wie die Studenten die schwierige Strecke versuchten zu meistern, ohne auszurutschen. Das war faszinierend! 😀 Einige sind einfach gerannt, einige im Gegensatz dazu extrem langsam gelaufen. Ein paar hielten es für eine gute Idee, in Mäuseschritten den Weg hinauf und hinunter zu tapsen. Ich gehörte wie schon erwähnt zur Kategorie derer, die bevorzugt seitlich durch den Schnee gestapft sind. Danach hatte man zwar nasse Schuhe aber wenigstens bot der Schnee halt 😉 Wenn es glatt war und man runter wollte, konnte man auch ganz cool einfach den Weg hinunterschlittern. Verdammt, ich hätte ein Video davon machen sollen!

Fazit: Ich werd in Deutschland nie wieder jammern, wenn die Wege nicht gut genug gestreut sind. Im Vergleich zu Norwegen ist das bei uns in Bremen eher ein Witz 😉

Korean drinking games

27 Mai

Zu meinem engeren Freundeskreis in Oslo gehören einige Koreanerinnen. Ich sags euch: Mit denen kann man sehr lustige Kitchen Parties machen! Ich hatte ja keine Ahnung, dass die Koreaner so eine Trinkernation sind. Die haben zig verschiedene Trinkspiele, jedes mit eigenem Song versteht sich. Neben quasi ‘landesweit’ bekannten Sachen kommen jeweils noch eine Reihe universitätsspezifischer Spielchen mit eigenem Song hinzu. Liebe Bremer: Wo bleibt das Uni Bremen Trinkspiel?! Da brauchen wir aber mal ganz dringend Entwicklungshilfe aus Korea 😉 Als ich das erste mal mitspielt habe wurde zwischen fünf verschiedenen Spielen hin- und hergewechselt. Bei einigen gings vor allem um Geschwindigkeit und Rhythmusgefühl – wobei ich natürlich total verkackt habe nicht unbedingt besonders gut abgeschnitten habe. Erklären können das am besten zwei Experten: Hyejin und Jung-A 😀 (klickt auf das Bild um das Video zu sehen):

From Korean Drinking Game

Leben in Kringsja: Meine WG

22 Mai

Mein chinesischer Mitbewohner Li meinte mal “Every flat has its own culture”. Es gibt eher laute und eher leise, welche in denen die Mitbewohner zu besten Freunden werden, welche bei denen das Gegenteil der Fall ist und dann noch jene, in denen man nichts miteinander zu tun hat. Unsere WG liegt irgendwo zwischen allem und hatte eigentlich eine ganz positive Entwicklung durchgemacht seit ich im Januar eingezogen bin und damals noch schrieb, dass man hier allein und Fremden wohnt.

Als ich einzog war die Küche ziemlich dreckig und es herrschte dicke Luft zwischen Li und meinem anderen Mitbewohner Lawrence deswegen. Schließlich holte wer einen Vertreter vom SIO (quasi das Studentenwerk hier in Oslo) herbei. Ergebnis war der Plan, gemeinsam einen Großputz in der Küche zu machen. Naja, letztlich waren dann aber nur 3 von uns wirklich zum Putzen gekommen. Wir haben dabei auch unglaublich viel nutzlosen Kram entsorgt, den wirklich niemand mehr benutzen will – ich glaub ich bin 10 mal raus zur Mülltonne um alles zu entsorgen. Seitdem ist unsere Küche aber durchgehend sauber geblieben und auch das Verhältnis zwischen den Mitbewohner hat sich nachhaltig verbessert 😀

Heute habe ich ein gutes Verhältnis zu meinen Mitbewohnern (Ausnahme: meine verblödeter Nachbarn) und es herrscht eine auch eine nette Atmosphäre. Allerdings gehören wir nicht zu den WGs, in denen die Mitbewohner zusammen abfeiern. Aber doch recht angenehm hier 😉 Bevor ich einzog und auch noch in den ersten Wochen fand ich es ziemlich nervig die Küche teilen zu müssen, besonders wenn ich mal keine Lust auf Gesellschaft hatte (ja das kommt vor ^^). Inzwischen find ichs aber ganz nett, immer wen zum Schnacken zu haben wenn ich was zu Essen mache. So gibt es keine extremst langweiligen Tage wie im Luisental, wo man dann wirklich die ganze Zeit allein in seiner Mini-Bude rumhängt 😉

Leben in Kringsja 2: Mein Nachbar

19 Mai

Ich glaube diesem Typen sollte ich auch mal einen Eintrag hier widmen. Mein Nachbar mag ein ganz netter Kerl sein, wenn man nicht mit ihm zusammen leben muss:

  • Er hat wohl nie gelernt wie man kocht. Wenn er sich etwas zu essen macht, riecht es entweder abartig oder verbrannt. Er vergisst sein Essen im Schnitt einmal pro Woche auf der Herdplatte. Es ist ein Wunder, dass er noch nie den Feueralarm ausgelöst hat. Das Schlimmste ist aber eigentlich, dass er den verbrannten Fraß tatsächlich noch isst…stinkt dann ziemlich übel auch in meiner Bude!
  • Weil er zu faul ist in die Küche zu gehen, hielt er es für ein gute Idee Essensreste im Badezimmer zu entsorgen. Kurze Zeit später gabs im Badezimmer eine Ameiseninvasion.
  • Er duscht oft zweimal täglich, bringt es aber trotzdem zustande einen unschönen Geruch zu verbreiten. Grund: Er wäscht nie seine Klamotten. Wie ich da so sicher sein kann? Vor ca. 3 Wochen habe ich ihn auf dem Weg zur Waschstube getroffen. Völlig verwundert fragte er, wo man hier denn Wäsche waschen kann und wie das alles funktioniert. Er hat sich in den 5 Monaten in denen er schon hier wohnt wohl nie gefragt, wofür diese komische Karte für die Waschmaschinen ist, die man beim Einzug bekommt.
  • Er skypt sehr oft mit seiner Frau. Problem: Er benutz keine Kopfhörer und hat den Ton oft zu laut. Ich bin ja einigermaßen tolerant was das angeht, aber wenn er dann auch noch um 7 Uhr morgens laut skypt und seine Tür nichtmal zu macht, werd ich doch ein bisschen sauer.
  • Als er damals einzog hatten wir abgemacht, Klopapier und Seife gemeinsam zu nutzen. Dummerweise ist er nie auf die Idee gekommen sich um Nachschub zu kümmern. Noch dazu war er so dreist, einfach mal meine anderen Sachen zu benutzen – meinen Rasierapparat zum Beispiel. Wenn man ihn damit konfrontierte versuchte er konsequent sich rauszureden. Wurde mir dann natürlich schnell zu bunt und ich habe wirklich alle meine Sachen aus dem Badezimmer rausgenommen und in meinem Zimmer gelagert. Wenn ich jetzt ins Bad gehe muss ich immer Klopapier, Handtuch usw. mitnehmen.

Also ne, mit meinem Nachbarn habe ich echt kein Glück gehabt. Ich glaub er kann mich auch nicht ausstehen weil ich mich so oft bei ihm beschwere– ist fast so als müsste ich einem Kind erklären, wie man das Badezimmer sauber hält und so 😀 Aber Trost gibts trotzdem: Ich sehe den Typen sehr selten. Tagsüber ist er nicht zu Hause und Abends ist er die ganze Zeit in seiner Bude und skypt mit seiner Frau. Und naja, bin ja nur noch ein paar Wochen hier. Vermissen werd ich ihn bestimmt nicht 😉

Leben in Kringsja

19 Mai

Das Studentenwohnheim Kringsja ist recht weit ab vom Schuss. In der Innenstadt groß Party machen ist deshalb nicht immer sonderlich günstig…aber warum überhaupt in irgendwelche Diskos fahren wenn die Freunde gleich um die Ecke wohnen? Das ist das schöne an Kringsja: Die Leute die man kennt kann man gleich im Haus gegenüber treffen. Ständig läuft man auf dem Weg zum Kiwi Supermarkt (der auf dem Wohnheimsgelände ist) oder zur Uni jemanden. Auch seine Mitbewohner lernt man nach einiger Zeit besser kennen und man trifft sich logischerweise fast täglich (vorzugsweise beim Kochen versteht sich). Insgesamt ist das hier schon eine ganz andere Atmosphäre als im Bremer Luisental, wo ich nach fast 3 Jahren so gut wie niemanden kennengelernt habe – man lebt dort eher für sich in seinen Einzelbuden und hat sonst nichts miteinander zu tun.

Besonders eine Eigenheit von Kringsja werde sehr vermissen: Kitchen Parties. Konzept ist einfach: Man trifft sich bei wem in der Küche, nimmt Essen und Trinken mit und ab gehts. Da man hier Leute aus aller Welt kennenlernt ist das Essen entsprechend international. Irgendwie finden viele Parties übrigens in meiner Küche statt – deshalb haben wir sie inzwischen Buddy Kitchen getauft (als Anspielung auf die Buddy-Gruppe) 😀 Berühmt-berüchtigt für seine Parties ist eigentlich Building 24. Dort wohnen nur Austauschstudenten, jeweils zwei in jedem Raum, die Türen sind ständig offen – Privatsphäre existiert praktisch nicht. Ja, ich bin froh nicht dort zu wohnen 😀

Schrieb ich einst noch über Kringsja als überteuertes sowjetisches Dorf, muss ich heute sagen: Ich werde diesen Ort vermissen.